unterrichten in der vorschulklasse

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mona
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unterrichten in der vorschulklasse

Beitrag von mona » Sonntag 26. September 2010, 15:15

hallo,

gibts hier im forum noch andere lehrerinnen, die in einer vorschulklasse unterrichten?

ich unterrichte nach 10 dienstjahren seit diesem schuljahr erstmals in einer vsk und ich finde es sehr intensiv.

meine in den ferien brav erstellte übersichtsmäßige jahresplanung hab ich schon gekübelt und auch sonst schwimm ich im moment ziemlich.

in meiner klasse gibt es alles:

"normale" unreife
adhs
div. schwere psychische störungen
kk mit massiven trennungsproblemen (kein kiga)
"nicht"erzogenheit
wiederholtes brutales schlagen wg. nichtigkeiten (darf nicht nochmal erster sein)
nur minimale sprachkenntisse ("ich lulu") trotz 2 jahren kiga
...

letzte woche hat mir ein schüler sein würsterl (im klo) gezeigt... :?

wenn ich am freitag das klassenbuch ausfüllen soll, kommen mir beinahe die tränen, weil wunsch und wirklichkeit so auseinanderklaffen...

wie gehts euch so?

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Beitrag von 15211 » Sonntag 26. September 2010, 17:09

kübeln ist immer gut :D , lass dich nicht mit dem klassenbuch stressen, wichtig ist, dass du einen ordnungsrahmen bekommst, mach viele stilleübungen und hol dir hilfe (hast du teamlehrer, förderlehrer, deutschkurs, ec....?)alles gute

mona
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Beitrag von mona » Sonntag 26. September 2010, 18:05

danke mal für die aufmunternden worte, ich bemüh mich eh, mir die motivation zu erhalten :D

beratungslehrerin und schulärztin sind schon involviert, hab schon alles in die wege für testungen geleitet, etc.

unterstützung durch andere lehrer bis auf eine stunde bks gibts bei uns leider nix (div. langzeitkrankenstände, allgemeiner lehrermangel)

@klassenbuch: lass mich eh nicht stressen, ich finde es einfach arg, von welcher utopie die hier ausgehen.

was mich in der klasse so schlaucht, ist glaube ich, die enorme bandbreite an bedürfnissen und auch störungen.

kk die kaum zugänglich sind aus den unterschiedlichsten gründen, z.t. nicht sprechen können (blockade) oder nichts verstehen, nicht zuhören können, nicht mal wirklich auf berührungen reagieren oder aber dafür die ganze zeit vor sich hin brabbeln,...

hab z.b. ein kind, dem ist nicht abzugewöhnen unter meinem tisch hervorzukommen. versteckt sich immer wieder dort und ist komplett beratungsresistent! (erklären, freundlich bitten, schimpfen,ignorieren, hervorziehen, sich lustig machen, mit dem papa drohen,...) ist ihm vollkommen wurscht - er ist nicht erreichbar und reagiert so gut wie nicht darauf.

natürlich bin ich ähnliches von früheren klassen gewöhnt und allein die tatsache, dass er unter meinem tisch sitzt, macht mich jetzt noch nicht so nervös, dass ich ihn aber nicht erreichen kann, schon.

sein verhalten lenkt natürlich die anderen kinder in ihrer (eh eingeschränkten) aufmerksamkeit noch zusätzlich ab.
parallel dazu schlägt der aggressive bub dann noch grundlos seine nachbarin, ein kind steht auf und beginnt zu spielen, ein anderes kind schreit nach seiner mama, ein kind packt ein und will nach hause gehen,...

ein irrenhaus :D

Die vorstellung auch nur noch ein kind dazu zu bekommen,...

Allein ist es ja jetzt schon kaum zu schaffen.

dogu
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Beitrag von dogu » Montag 27. September 2010, 16:52

ich habe keine ahnung, was man in der VSK für Lernziele erreichen muss, ABER ich habe die Kindergartenausbildung und auch eine zeitlang in dem bereich gearbeitet:

mein tipp: pfeif mal die nächsten 3 bis 4 wochen auf alles und schaffe die eine Kindergartensituation.
heißt mach eine ankommenszeit, stille spiele anbieten die tische sollen der hintergrund sein. kuschelecke, licht nur teilweise aufdrehen....
dann macht eine gemeinsame essenzeit. versuche alles mit ritualen festzumauern. ich der "ankommenszeit" hatte ich entspannungsmusik laufen, zum essen war dann auch ein akustisches zeichen, dann haben wir gemeinsam gegessen (eventuell gemeinsam die tische zu einem gro0en tisch stellen - gemeinschafts gefühl...),
nach dem essen dann etwas vorlesen, etwas wo sie sich kurz konzentrieren müssen, dann wieder freie spiel zeit (du kannst dich zu einzelnen gruppen setzen und so auch motorik, wahrnehmung und was weiß ich was fördern.
dann wieder etwas gemeinsames kreisspiele, liedersingen, bewegungsspiele, raus gehen bei wind und wetter....

vielleicht gibt ihnen das ein wenig sicherheit und du kannst durchstarten.
hatte auch einige deiner genannten "fälle" in meinen gruppen.
dem unterm tisch würd ich lassen, er wird kommen, wenn er mal wo dabei sein will und dann tralala tarammtamtam ein großes juhu ich freu mich ja so :)

hoffe dir ein paar tipps gegeben zu haben die du eventuell auch umsetzen kannst und die vorallem helfen!

drück dir die daumen

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geteiltes leid...

Beitrag von milkbox » Donnerstag 30. September 2010, 16:03

hallöchen!
also mir geht es ziemlich ähnlich.
ich bin frisch von der ph und hatte das glück, gleich eine anstellung bekommen zu haben.

ich bin lehrerin einer vorschulklasse mit 12 kindern, 5 mädchen und 7 burschen.
8 der kinder haben deutsch als zweitsprache (oder eben trotz kiga so gut wie garkeine deutschkenntnisse). die mangelnden deutschkenntnisse erschweren uns das leben ungemein. spiele scheitern schon oft an der nicht verstandenen erklärung. auch basteleien und liedtexte/gedichte sind teilweise nur schwer zu realisieren.
es ist so gut wie nie still in meiner klasse. immer singt jemand, tratscht jemand, steht jemand auf und geht herum. auch, dass kinder unter dem lehrertisch liegen, kommt mir sehr bekannt vor.

ich habe oft das gefühl, dass ich sie überfordere und im grunde genommen mehr spielen lassen sollte (wir beginnen den tag mit einer freien spielphase, die ca 25min dauert). aber gewisse themen müssen eben auch in der vsk durchgenommen werden. außerdem sind sie ja auch hier, um sich an das leben in der schule zu gewöhnen.

neben ihrem ausgeprägten spieltrieb habe ich auch eine kk, die äußerst aggressiv sind. fast täglich weint ein k, weil einer der drei brutalos mal wieder "zugeschlagen" hat,
das nervt ungemein.

ebenso gibt es einen jungen, bei dem ich adhs vermute. oder vielleicht ist sein verhalten für ein vsk-kk eh normal. er brüllt immer in den raum. schmeißt sich von seinem sessel auf den boden. rollt sich dort. singt/schreit lauthals (und das ganze nach einer schweißtreibenden sportstunde).

ich bin jedenfalls jeden freitag schon so platt, dass ich mich direkt nach der schule schlafen lege und bis samstag durchschlafen könnte...

aber gut zu wissen, dass es nicht nur mir so geht. ich glaub, ich werde ziemlich froh sein, wenn dieses schuljahr zu ende ist (klingt jetzt gemein, ich weiß. ich mag die kk ja auch sehr gerne. aber richtig "spaß" hab ich an der sache nicht immer...)

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Beitrag von KaMe » Donnerstag 30. September 2010, 16:19

Soll ich euch aufmuntern? *g* So oder so ähnlich geht es auch in einer 1. zu:-)

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Beitrag von bb2709 » Donnerstag 30. September 2010, 16:58

KaMe, deiner Aufmunterung kann ich nur zustimmen. Ich habe z. Zt. eine 1. Klasse - 26 Kinder. Das sind 18 Jungs und 8 Mädchen. Bei den Mädchen sind 3 dabei, die toppen jeden Jungen.

Auch bei mir ist fast alles im Programm. Da hilft wahrscheinlich nur: Augen zu und durch.

Viel Glück

Tina

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Beitrag von Lilli » Donnerstag 30. September 2010, 17:46

:lol: habe eine zwei übernommen, eine "lebendige" klasse, die im ersten schuljahr quasi nur vertretungsunterricht hatte.
habe auch diverse diagnosen und fange sowohl bei arbeits- als auch bei sozialverhalten in klasse 1 an....

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Beitrag von dogu » Donnerstag 30. September 2010, 18:45

auch ich hab eine 1ste mit 25 kindern, bin alleine und kann euch sagen

*ich habe auch ettliche kinder die mich nicht verstehen
*auch einige sehr verhaltensauffällige
ein weinlind, das am tag locker 5mal weint - weils irgendwas nicht *bekommt, oder das falsche brot mit hat, was auch immer
*stillsitzen ist auch bei uns noch ein ding der unmöglichkeit
*...

aber sie sind ja schließlich auch ersties, wenn sie das alles schon können würden, hätten wir ja eine fade, leichte und überbezahlte arbeit ;)
*achtung sarkasmus*

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Beitrag von mona » Donnerstag 30. September 2010, 19:26

hab mich in der zwischenzeit ein bisschen umgehört - scheinbar dürften so sammelsuriumvorschulklassen immer öfters die regel sein...und eure postings gehen ja auch in die richtung...

je mehr ich darüber nachdenke, desto empörter werde ich!

besonders ärgert mich

:x dass die klassenschülerhöchstzahl immer noch bei 20 liegt

:x dass kinder in vsk "geparkt" werden, die ein recht hätten, ihrer beeinträchtigung/behinderung entsprechend gefördert zu werden und stattdessen ihr erstes schuljahr als "störenfriede" verbringen (müssen)

:x dass vsk-lehrerinnen weitgehend alleine in der klasse stehen
(nicht mal die sprachheillehrerin hat aus personalmangel wirklich zeit
für meine kinder - für die ganze schule hat sie 1 Tag :roll: )

:x dass wir einen lehrplan/vorgaben haben, der/die diese umstände mmn viel zu wenig berücksichtigt. (siehe klassenbuch "beobachtungsgänge" - ich geh mit meinen kindern im moment SICHER NIRGENDS hin!)

:x dass wir ein vorschulpaket von der ma56 bekommen, das den ansprüchen die an die heutige vsk gestellt werden nicht/nur kaum entspricht


bin echt am überlegen, wie man diesen missständen entgegentreten kann.
das kanns ja wohl nicht sein!

(- außerdem ist mmn nicht davon auszugehen, dass sich die situation durch das verpflichtende kindergartenjahr großartig verbessern wird. bei mir waren bis auf ein deutschsprachiges kind alle zumindest 2 jahre im kindergarten...)

off topic: @ vsk-lehrerinnen:

gebt ihr eigentlich hausübung?

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Beitrag von mona » Donnerstag 30. September 2010, 19:35



auch ich hab eine 1ste mit 25 kindern, bin alleine und kann euch sagen

*ich habe auch ettliche kinder die mich nicht verstehen
*auch einige sehr verhaltensauffällige
ein weinlind, das am tag locker 5mal weint - weils irgendwas nicht *bekommt, oder das falsche brot mit hat, was auch immer
*stillsitzen ist auch bei uns noch ein ding der unmöglichkeit
habt ihr keine vorschulklasse am standort bzw. müsstest du dann nicht einen zweiten lehrer (zumindest 6h /woche) haben?

klar gibts immer mehr auffällige kinder auch in "normalen" klassen - ich will das auch garnicht bagatellisieren, klingt auch hart.

aber der vorteil in einer "normalen" klasse ist, dass es da eigentlich immer ein paar zugpferde gibt und die hast halt in der vsk nicht...

@ müdigkeit
ich bin jeden abend total streichfähig :lol:

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Beitrag von KaMe » Donnerstag 30. September 2010, 20:04

Einen 2.Lehrer? schön wärs...*g*..und täglich grüßt das Murmeltier, aber da müssen wir alle durch...23 Ersties, bunteste Mischung, aber obwohl ich täglich streichfähig bin, ist es doch schön:-)

KexiMia
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Beitrag von KexiMia » Donnerstag 30. September 2010, 20:13

Ich habe eine 4. Klasse übernommen. Ich bin mittlerweile die 4 Lehrerin der Kinder und man merkt das auch im Verhalten der Kinder. Und zusätzlich kommt auch, dass es mein 1. Dienstjahr ist (Uff kann ich nur sagen).

Ich hatte seit Schulbeginn genau 2 Stunden in denen es die KK geschafft haben angenehm ruhig zu sein. Es ist echt anstrengend die Lautstärke. KK lenken sich durch tratschen gegenseitig ab und stören durch das reden natürlich auch andere.

Ein Junge leidet unter den schwersten Konzentrationsstörungen die ich bis jetzt erlebt habe. Die Eltern haben mir gesagt, dass er schlecht hört (also medizinisch nicht "er will nicht hören"). Da bin ich im Moment am überlegen ob die Konzentrationsprobleme auch auf die Hörprobleme zurück zu schließen sind.

Ich weiß, dass das jetzt nicht gerade zum Thema VORSCHULE passt. Aber damit wollte ich auch sagen, dass es auch in 4. chaotisch ist!

Ich komme jeden Nachmittag nach Hause und muss nach dem Essen erst einmal schlafen sondt kann ich nix mehr machen. Und am Freitag geht dann gar nichts mehr am Nachmittag, nur noch laaaange schlafen und den ganzen Abend vorm Fernseher, oder zumindest liegend zuhause!!!

Lilli
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Beitrag von Lilli » Donnerstag 30. September 2010, 21:40

[quote="KexiMia"]Ich habe eine 4. Klasse übernommen. Ich bin mittlerweile die 4 Lehrerin der Kinder und man merkt das auch im Verhalten der Kinder. Und zusätzlich kommt auch, dass es mein 1. Dienstjahr ist (Uff kann ich nur sagen).[/quote]

oh je, du arme! meine in der 2 kann ich wenigstens noch beeinflussen und sowohl mit eltern als auch kindern arbeiten, weil sie wissen, dass sie mit mir bis ende 4 zu tun haben. aber eine solche 4. zu übernehmen ist schon hart...

für alle - egal ob vorschulklasse oder regelklasse - gilt als wichtige eigenschaft zum überleben in diesem beruf, dass man manchmal die rosarote brille zückt. sowohl für die eigene motivation, als auch für die beziehung zu den kindern, denn die bekommen unser genervtsein ja auch mit und spiegeln das dann wieder durch ihr verhalten. aber wenn man das gefühl hat, gar kein bein an den boden zu bekommen, ist das ziemlich hart.
eigentlich bräuchten lehrer regelmäßige supervision.

und das mit den vsk ist bei euch in österreich anschienend echt eine zumutung für lehrkraft und kinder.

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Beitrag von dogu » Freitag 1. Oktober 2010, 16:58

@ mona:

ja das ist theorie und praxis mit den 6h!
ich habe 4 stunden, wo mir alle sprachstandschüler A, B genommen werden um deutsch zu lernen.

Dass du in diesen stunden mit dem wenigen rest aber im endeffekt nichts wirklich produktives machen kannst, weils ja sonst den anderen fehlt ist ja dann quasi mein kaffee.
kann in diesen stunden nciht immer singen, zeichnen, englisch machen, weil dann haben die andren das ein jahr lang nicht.
aber mathe und deutsch kann ich scho gar nicht machen, weil gerade die die übung brauchen. also alles in allem sehr interessant, aber wenns von ganz oben so gewollt wird, bitteschön.

ich bin am abend auch tot
aber ich steh in der früh gerne wieder auf...also naja es könnte später sein, aber die muffeligkeit liegt nicht am arbeiten ;)

solang man mit liebe bei der sache ist, ist alles halb so schlimm

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