26. Oktober - Kritik an unseren SU-Inhalten

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26. Oktober - Kritik an unseren SU-Inhalten

Beitrag von Moka » Montag 10. November 2008, 23:08

Diese Mail kam heute über die LL-Web-Mailadresse rein.
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Sehr geehrte Damen und Herren !

Ich nehme Bezug auf Ihr Unterrichtsmaterial für die VS unter dem Titel "26. Oktober 1-3" von Frau Claudia Chouchanian.

Als Vater einer 8-Jährigen Tochter wurde ich vor wenigen Wochen mit Unterrichtsmaterial zum Nationalfeiertag konfrontiert, das in der 3. Klasse zu diesem Anlaß verwendet wurde. Den betreffenden Abschnitt sehen Sie beiliegend.


Ich bin der Meinung, daß es sich bei diesem Text um einen Akt der Geschichtsfälschung handelt wie es sie in Österreich während er letzten Jahrzehnte andauernd gab. Spätestens seit der Affäre Waldheim aber müßte jedem klar sein, mit welcher Geschichtslüge unser Land lebte. Österreich wurde nicht von einem mächtigen Herrscher erobert, Österreich hat sich freiwillig und mit Enthusiasmus in die Klauen von Nazi-Deutschland begeben. Dieser Enthusiasmus an vorderster Stelle wurde auch durch die überproportional hohe Anzahl von führenden österreichischen Offizieren bei Gestapo, SS und SA ersichtlich.
Auch halfen nicht immer mehr Menschen - was ein Aufbegehren von Innen her suggeriert - den Krieg zu beenden, sondern Österreich wurde von außen befreit.

Man kann auch kleinen Kindern die geschichtlichen Wahrheiten zumuten, was jedoch nicht tragbar ist sind Halbwahrheiten über die Geschehnisse dieser Zeit zu einem Teil von Unterrichtsmaterial zu machen. Der unsaubere Umgang mit der Vergangenheit ist eine österreichische Eigenart, der man keinen Platz mehr einräumen darf.

Ich würde es begrüßen von Ihnen eine Reaktion auf meine Gedanken zu erhalten und in der Folge diesen Text nicht mehr auf Ihrer Verlagsseite zu sehen.


Mit den besten Grüßen,
D.I. Markus Misslinger


~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Vielleicht wollt ihr auf diese Gedanken reagieren?
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Carpe diem, Moka

Brigitte
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Beitrag von Brigitte » Dienstag 11. November 2008, 16:43

Ich finde, dass das entsprechende Arbeitsblatt kindgerecht hergestellt ist und keine Unwahrheiten enthält. Es wäre falsch zu behaupten, dass alle Österreicher Nazis waren. Viele hatten keine Möglichkeit zur Wahl. Es können nicht alle Märtyrer sein. Es steht jedem frei, seine eigene Meinung an die eigenen Kinder weiterzugeben.
Dieses Arbeitsblatt zu verbieten, finde ich maßlos überzogen.
l.g. Brigitte

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Beitrag von @ndrea » Dienstag 11. November 2008, 20:05

Schau an, wir sind also ein Verlag. Der Herr nimmt's wohl nicht so genau...

Wir nehmen's genau, und deshalb kann ich Brigitte nur beipflichten.
LG :hello2: @ndrea

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Beitrag von Herzchen » Dienstag 11. November 2008, 20:49

Naja, ganz Unrecht hat Herr Misslinger aber auch nicht, finde ich.
Inhalte vereinfachen darf nicht zur Folge haben, dass Tatsachen verbreitet werden, die so nicht richtig sind.
- Und ehrlich gesagt, ICH würde diese Arbeitsblätter nicht in meinem Unterricht verwenden. Klingt ja wie in der Märchenstunde. :roll:

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Beitrag von KaMe » Dienstag 11. November 2008, 21:51

Bezüglich Märchenstunde..ich denke, das Material ist für ASO, also sehr vereinfacht geschrieben.Zwingt einen ja niemand, es zu übernehmen.
Zum obrigen Brief enthalte ich mich fürsorglich der Stimme *kopfschüttel*. Jede Diskussion politisch gesehen zwecklos und haben wir doch mittlerweile alle Tage,dass Eltern es besser wissen als Lehrer.
Ich verfolge nunmehr eher amüsiert den weiteren Verlauf und finde es von Moka sehr gut,dass sie veröffentlicht,wie die Einstellung mancher Menschen zu sein scheint.

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Beitrag von Moka » Donnerstag 13. November 2008, 20:45

www.fcg-wien-aps.at/files/medien/nationalfeiertag_1.pdf

Dieser Link ist von der fcg als LL-Handreichung angeboten, da ist der "umstrittene" Text 1 zu 1 unter anderen TExt- und Bildinhalten zu finden.
~~~~~~~~~~~~
Carpe diem, Moka

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Beitrag von @ndrea » Freitag 14. November 2008, 17:30

Na, bitte.
Fazit:
1.Er kann mit den Leuten dort weiter diskutieren :D
2. Leg dich nicht mit Moka an... :wink:
LG :hello2: @ndrea

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Beitrag von Herzchen » Freitag 14. November 2008, 22:48

Ich habe lange überlegt, ob ich überhaupt noch etwas dazu schreiben soll. Ich streite mich mit Unbekannten, und es ist von vorneherein klar, dass nichts dabei rumkommt. Ihr WISST ja, dass ihr Recht habt.
Darum nur soviel: weil etwas im fcg steht, wird es noch lange nicht unanfechtbar und richtig.
Wie obrigkeitshörig muss man als Lehrer eigentlich sein? Und: ist man, wenn man sich Gedanken zu Inhalten aus der Schule macht, gleich ein Querulant? Als Eltern ein lästiger Besserwisser, als Lehrer ein Nestbeschmutzer?

Auch ich beharre auf meiner Meinung: der Inhalt des Textes ist geschichtlich falsch und die didaktische Aufbereitung ist schwach, egal, für welche Schulform sie gedacht ist.

Mir scheint, dass Lehrer manchmal Kritik nur deshalb nicht hören /annehmen wollen, weil sie von 'Eltern' kommt. Als ob auf der Welt nur Lehrer alleine das Wissen gepachtet hätten. Und als wenn man sich sofort in seiner Autorität untergraben fühlen müsste, wenn man zugibt Fehler zu machen.

Im Übrigen hat Moka IHRE Meinung dazu nicht kundgetan, weder so noch so. Aber jeder liest, was er lesen will ;).

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Beitrag von @ndrea » Samstag 15. November 2008, 00:06

Und ich lese, dass diese Aussage von 'approbierter Quelle' stammt, oder was denkst du, wer für den fcg schrieben darf?
Wäre es absoluter Quatsch, hätte es Moka bestimmt nicht veröffentlicht, sie will sich doch nicht selbst schaden.
LG :hello2: @ndrea

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Beitrag von Herzchen » Samstag 15. November 2008, 12:28

Dann hat also Herr Misslinger erst recht Recht :):
Sogar das offizielle Österreich lebt mit einer Geschichtslüge - und ist nicht mal bereit, auch nur anzudenken, ob das so in Ordnung ist.


zum Thema approbiert und Sachunterricht:
Hast du dir schon mal approbierte Sachunterrichtsbücher genauer angesehen? Die wimmeln nur so von fehlerhaften Informationen. Nicht nur, was den geschichtlichen Teil angeht. :wink: Wer immer da seinen Segen gibt, unfehlbar ist derjenige bestimmt nicht *g*. Meine Aufgabe als Lehrer sehe ich auch darin, Wissen nicht unhinterfragt zu übernehmen - mag pingelig sein, ist aber wichtig, denke ich.

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Beitrag von Brigitte » Samstag 15. November 2008, 13:08

Wenn Herzchen schon so über drüber ist, könnte es doch dementsprechende Handlungen setzen wie z.B. den verlag auf etwaige Fehler aufmerksam zu machen. Reden und Besserwissen ist immer leichter als Handeln.
Brigitte

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Beitrag von Herzchen » Samstag 15. November 2008, 13:44

Schade, dass du unsachlich wirst - oder wozu soll das ans Bein pinkeln jetzt gut sein? Moka hat gebeten auf Herrn Misslingers Gedanken zu reagieren.
Darf man hier seine Meinung nur kundtun, wenn sie mit @ndrea, oder KaMe, oder dir konform geht?

Ich HABE Verlagen Fehler mitgeteilt, ob du es glaubst oder nicht. Und ich verwende seit Jahren überhaupt keine Sachunterrichtsbücher mehr, ich habe ausreichend bessere Materialien. Unter anderem auch aus Mokas phantastischem Materialienschatz, der vielen superengagierten Lehrern zu verdanken ist. :wink:

Hier ging es aber doch in keinster Weise darum, die Materialien an sich zu verteufeln. Mir scheint, als ob sich hier jemand in seinem Engagement persönlich angegriffen fühlt, obwohl das überhaupt nicht Thema ist.

Es ging um den Inhalt eines Materials, und der Schreiber hat darauf hingewiesen, dass der Inhalt nicht richtig ist. Womit er Recht hat.

Es geht auch nicht darum, dass das Gegenteil AUCH nicht stimmt. Natürlich waren nicht alle Österreicher Nazis, und wir Nichtbetroffenen dürfen uns auch überhaupt kein Urteil über die damalige Zeit erlauben, wissen wir doch nicht, wie wir selbst reagiert hätten unter den damaligen Bedinungen. Ich persönlich bin sogar der Ansicht, dass uns (und allen Völkern) so etwas jederzeit wieder passieren kann - sieht man ja: man darf nicht mal bei harmlosen Themen eine andere Meinung vertreten, ohne, dass man dafür Haue kriegt ;).
Trotzdem muss man nicht Unwahrheiten verbreiten. Und Lehrer haben nun mal die Wissensvermittlung als Beruf, und sollten da eben auch sehr genau hinschauen.

Wenn du tatsächlich Interesse an einem Gedankenaustausch hast, dann gerne, ansonsten erspar dir/mir weitere Verunglimpfungen bitte.

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Beitrag von @ndrea » Samstag 15. November 2008, 14:57

Herzchen hat geschrieben:Es geht auch nicht darum, dass das Gegenteil AUCH nicht stimmt. Natürlich waren nicht alle Österreicher Nazis, und wir Nichtbetroffenen dürfen uns auch überhaupt kein Urteil über die damalige Zeit erlauben, wissen wir doch nicht, wie wir selbst reagiert hätten unter den damaligen Bedinungen. Ich persönlich bin sogar der Ansicht, dass uns (und allen Völkern) so etwas jederzeit wieder passieren kann - sieht man ja: man darf nicht mal bei harmlosen Themen eine andere Meinung vertreten, ohne, dass man dafür Haue kriegt ;).
...und schon bin ich deiner Meinung :D . Stimmt, wir waren nicht dabei, und nichts, was in Geschichtsbüchern steht, können wir auf seinen Wahrheitsgehalt überprüfen. Egal ob approbiert oder nicht.

Was gibt es dir, VS-Kindern "deine Wahrheit" ( - das meine ich jetzt nicht abwertend!) aufs Auge zu drücken?
Es geht beim 26. Okt. um den Sachverhalt des Krieges, der Besatzungsmächte und des Staatsvertrags / der Neutralität. Das alles wird wahrheitsgemäß erklärt.
LG :hello2: @ndrea

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Beitrag von Herzchen » Samstag 15. November 2008, 20:14

Ich drücke den Kindern weder meine noch eine andere Wahrheit auf - davon abgesehen, dass man logischerweise immer nur seine Meinung vertritt und nicht eine, die man selber nicht mitträgt. Für politische Bildung ist es aber noch zu früh in der Volksschule (zumindest für die meisten Kinder).

Das Thema zweiter Weltkrieg, die Ursachen, ... sind für Kinder im Volksschulalter zu komplex, um das detailliert bearbeiten zu können. Die meisten Kinder haben nicht mal ein ausreichendes Zeitgefühl für diesen Zeitraum, genausogut könntest du über die Ritterzeit reden oder über die Dinosaurier, ist für die Kinder alles gleich lang her :).
Es reicht eine einfache neutrale Darstellung, DASS es den Krieg gegeben hat, und dass Österreich besetzt war, ... finde ich. Irgendwelche Schuldzuweisungen würde ich völlig weglassen.

Und in dem Bereich müssen meine Schüler natürlich mit MEINER Auswahl der Inhalte vorlieb nehmen, aber so ist das nun mal, dass man als Lehrer über die Lerninhalte mitentscheidet. Das betrifft ja jeden Bereich im Unterricht.

Lilli
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Beitrag von Lilli » Freitag 21. November 2008, 22:48

Da ich schon in deutscher Geschichte nicht wirklich gut bin, möchte ich es mir nicht anmaßen eine Meinung zu österreichischer Geschichte zu äußern, aber es freut mich, dass ihr diskutiert.... Irgendwie hat meine Generation Deutscher (Mitte30) schulbedingt den Knacks, dass besonders wir mit der Geschichte unseres Landes in Bezug auf Nazis ganz besonders zu knacken haben - da tut es gut, zu sehen, dass das Thema auch woanders polarisiert, wenn es um Inhalte und Aufbereitung dieser im Unterricht geht.

Ja, jeder Lehrer ist selbst verantwortlich, was er an Material reingibt, aber man darf es doch wohl den meisten (vor allem den engagierten Kollegen, die bei Wegerer veröffentlichen) unterstellen/zutrauen, dass sie gemeinhein auch prüfen, was sie den Schülern reingeben und ihren Unterricht nach bestem Wissen und Gewissen gestalten. Und ich mag mich ehrlicherweise nicht davon freisprechen, dass ich nicht auch schon mal ein AB bei Wegerer einfach ausgedruckt habe, um etwas für den Hausaufgabenwochenplan zu haben. Hat dann irgendwas nicht gepasst (ganz banal: Das Wort Jause benutzen wir in Norddeutschland so nicht), hat man mit den Kindern darüber gesprochen und sich ins Hinterstübchen geschrieben, beim Material wieder mehr aufzupassen - Lehrer sind auch nur Menschen.

Aber ich hatte doch den Eindruck, dass die Diskussion stellenweise etwas unsachlich wird und Herzchens Vermutung, dass es daran liegt, dass das ein Vater ist, schwelt da auch in mir.
Diesen einen, engagierten, mitdenkenden Vater kennt ihr nicht! Das ist doch nicht der Meckertyp, der dreimal die Woche anruft, weil er einen i-Punkt im Lesetext vermisst.
Das Wort Geschichtsfälschung war vielleicht etwas heavy, aber Historiker sind da sehr eigen (habe einen geheiratet).

Ich finde es gut, dass Moka diese mail reingestellt hat und ich finde es gut, dass Ihr diskutiert. Aber ich finde auch, das Material sollte drin bleiben, weil das unsere berufseigene Freiheit ist, Material in der inhaltlichen Tiefe auszuwählen, die wir für unsere Kids angemessen finden und evtl.e Ungenauigkeiten mündlich noch zu klären....

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