Alternative Sanktionen

Tolle Idee und praktische Tipps zur Unterrichtsgestaltung

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BEd.Baxter
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Alternative Sanktionen

Beitrag von BEd.Baxter » Montag 2. März 2009, 16:56

Hallo zusammen!

Bin gerade in meinem ersten Dienstjahr und würde gerne von erfahreneren LehrerInnen wissen, ob und was für alternative Sanktionen sie bei Fehlverhalten von Schülern anwenden.

Es widerstrebt mir, meine Kiddies die Hausordnung schreiben zu lassen oder sonst "eine Seite" aufzugeben. Irgendwie bin ich aber unkreativ in der Hinsicht wie mir scheint...

Wie kann man SchülerInnen logisch und sinnvoll sanktionieren wenn sie die Regeln nicht einhalten? So, dass sie was daraus lernen. :?:

Über zahlreiche Antworten würde ich mich freuen... :)
"Den Schüler interessiert nicht, was der Lehrer da so faselt. Er will nur gemütlich schlafen."

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magdazeini
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Beitrag von magdazeini » Dienstag 3. März 2009, 19:59

Bei mir in der Klasse gibt es eine "Punkteliste", wurde den Eltern vorgestellt und auch akzeptiert.
Die Kinder bekommen Vergessenspunkte, wenn sie etwas vergessen - HÜ, Elternheft abgeben, Name auf Zettel usw.
Aber es gibt auch Punkte für Regelverstöße. Eine (oder mehrere) Ermahnung, danach gibt's einen Punkt. Begründung: Du hast vergessen, an welche Regel du dich halten solltest.

Die Kinder, die eine Woche lang keinen Punkt bekommen, erhalten einen HÜ-Gutschein.
Kinder, die sechs oder mehr Punkte haben, bekommen am Freitag eine zusätzliche Hausübung.

Biggi
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Beitrag von Biggi » Mittwoch 4. März 2009, 19:01

Wir verteilen Pluspunkte für eine Super-Hausübung, ein gut ausgeführtes Klassenamt pro Woche und das schnelle und ruhige Wegräumen und Anstellen am Schultagesende eine ganze Woche lang. Hingegen gibt's Minuspunkte für das Nichtbringen einer HÜ oder Verbesserung, das Nichteinhalten einer Klassenregel (3 Ermahnungen) und das schlechte Ausführen des Klassenamtes. Wer auf einer Leiter 10 Pluspunkte hinaufgestiegen ist, darf sich ein kleines Geschenk aus einer Schatzkiste nehmen.

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Beitrag von bumaschnecke » Donnerstag 5. März 2009, 12:55

In meiner Klasse hab ich eine Ampel mit den Namen der Kinder auf Wäscheklammern. Bei Fehlverhalten wandert die Klammer auf das gelbe Licht, bei weiterem Fehlverhalten auf das rote Licht.
Mit den Eltern wurde vereinbart, dass es dann eine Zusatzhausübung gibt. Die Eltern müssen aber die HÜ unterschreiben - also müssen die Schüler erzählen, warum es zur Zusatzhausübung gekommen ist. Die Kinder müssen ihr Fehlverhalten dann vor den Eltern reflektieren und die Eltern sind gleichzeitg informiert. Funtioniert sehr gut.

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Beitrag von petzi » Freitag 6. März 2009, 16:00

Was tust du denn mit Schülern, die diese Zusatzaufgabe nicht bringen? Von einer Unterschrift der Eltern mal ganz zu schweigen.

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Beitrag von bumaschnecke » Samstag 7. März 2009, 22:12

Meine Schüler und Eltern sind da noch sehr zuverlässig. Ich hab aber auch beim ersten Elternabend den Eltern erklärt, falls die Kinder die Unterschrift und Zusatzhausübung nicht bringen, dass ich anrufe.
Und ein Anruf wirkt immer Wunder.

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Beitrag von christlgo » Donnerstag 12. März 2009, 18:34

Ich bin in einer I-Klasse und wir haben zusammen mit den Kindern eine Gebotetafel und daneben eine " was- wenn nicht Tafel" erstellt.
Die Kinder haben selbst sanktionen erfunden. Phu... die sind streng! Da mussten wir sie ordentlich bremsen. Nach der Erarbeitung der Tafel haben wir alles auf goldenes Papier geklebt und jeder hat unterschrieben. Sogar der Herr Direktor.
Das ist jetzt ein Jahr her und die Tafeln wirken immer noch.
Die Sanktionen reichen von zusatzaufgaben über Spielausschlüsse bis zur Sitzpause.

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Beitrag von magdazeini » Donnerstag 12. März 2009, 19:47

Eine neue Frage:
Wie schon gesagt, gibt es in meiner Klasse ein "Punkteliste". Allerdings bin ich nicht (mehr) hunderprozentig davon überzeugt, weil die Kinder, die sowieso immer Punkte bekommen, eh schon fix von der zusätzlichen Freitagshausübung ausgehen.

Ich möchte jetzt vielleicht etwas anderes machen, wie einen Smileypass o.ä., wo das Positive gelobt wird. Vielleicht, dass die Kinder für drei lachende Gesichter eine Süßigkeit oder so bekommen.

Allerdings müsst ich das dann ja wahrscheinlich mit der ganzen Klasse machen, denn sonst fühlen sich die anderen benachteiligt.

Hat jemand von euch mit so etwas schon Erfahrung gesammelt?

Lilli
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Beitrag von Lilli » Donnerstag 12. März 2009, 22:17

hallo!
surf mal nach dem "good-behaviour-game".
ich habe das 2006 von meinem schwiegervater in einem zeit-artikel präsentiert bekommen.
also - ich nenne es klasse-kinder-zeit.
die klasse ist in farb-gruppen eingeteilt, abhängig von der sitzordnung, z.zt. 3 gruppen (rot, gelb, blau - je schwieriger die klasse, desto mehr gruppen würde ich empfehlen - so 5). die kinder haben auf ihren tischen große punkte in der entsprechenden farbe kleben und an der tafel klebt auch je farbe ein punkt.
dann gibt es noch das große klasse-kinder-schild (mit magnet versehen).
so 3-4mal am tag kündige ich eine klasse-kinder-zeit an.
die kann ganz unterschiedliche phasen betreffen (gespräch im tafelkino, stillarbeit, partnerarbeit, aber auch frühstückspause).
diese phasen sollten maximal 20 minuten dauern, bei kleinen kindern und schwierigeren klassen anfangs eher kürzer.
für diese zeit hängt das schild an der tafel und die kinder bekommen maximal 3 verhaltensregeln genau benannt, z.b. für eine gesprächsphase: 1) wer etwas sagen will, meldet sich leise und wartet, bis er aufgerufen wird 2) niemand beschäftigt sich mit etwas anderem bzw. plappert mit den nachbarn.
bei verstoß gegen die regel bekommt die mannschaft einen foulpunkt. dabei reicht es einfach, nur zu sagen "foul für rot" und einen punkt an der tafel hinter die farbe zu machen. dann wissen die kinder i.d.R. schon, worauf sich das bezieht.
solche phasen baue ich also möglichst regelmäßig in den schulvormittag ein. am ende des tages gibt es dann für die die kinder der mannschaft(en) mit den wenigsten punkten (von mir ausgeschnittene :roll: ) bunte papiersterne. 25 sterne können gegen ein spiel gemeinsam mit der klasse eingetauscht werden, man könnte sie auch gegen einen hausaufgabengutschein eintauschen.
ich hoffe, ich habe nichts vergessen.
diese sache kommt ursprünglich aus amerika und existiert da wohl schon seit den 60er jahren. ein pädagogik-prof aus köln hat das nach einem gastsemester dort "importiert". zum zeitpunkt des verfassens des besagten zeit-artikels war das ganze in einer probe-aufbau-phase. es gab eine gegend in der nähe von osnabrück, in der mehrere lehrer entsprechend fortgebildet worden waren und das einsetzten.
ziel ist, über die belohnung (man kann sich auch was unmittelbareres ausdenken, z.b. sofort ein spiel) die erwünschten verhaltensweisen zu verstärken.
man muss aber auch aufpassen, wie die klasse drauf ist, wenn gegenüber einem kind ein richtiger gruppendruck entsteht, ist das schlecht. ich habe es phasenweise auch schon gehabt, dass ein kind eine einzelgruppe dargestellt hat, weil er keiner gruppe zuzumuten war. das hatte sich nach zwei wochen komplett erledigt, weil er sich wirklich sehr bemüht hat und dadurch positiv verstärkt werden konnte.
ich habe sehr gute erfahrungen damit gemacht, hatte aber auch eigentlich von vornherein eine recht nette und liebe klasse. die kinder sind inzwischen im dritten schuljahr, machen das ganze also schon seit 2,5 jahren und das immer noch gern.

hoffe, habe nichts wesentliches ausgelassen, wenn fragen sind, fragt.

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