Ratlos

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Cymoril
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Ratlos

Beitrag von Cymoril » Sonntag 28. März 2010, 17:52

Hallo,

ich weiß nicht genau, ob ich in dieser Ecke des Forums richtig bin, aber ich versuche es mal.

Tja, ich habe eine Frage an euch, mit deren Lösung ich zur Zeit überfordert bin:

Ich bin selber Lehrerin (Gymnasium, Privatschule) und mein Sohn ist jetzt in der ersten Klasse. Abgesehen davon, dass ich von Grundschulpädagogik keine blasse Ahnung habe und mir auch nicht anmaßen könnte, darüber irgendwelche Urteile zu fällen, fällt mir auf, dass der Bursche sich in dem dreiviertel Jahr, das er jetzt in der Schule ist, von einem motivierten, lernbegeisterten Kind zu einem absoluten Lernmuffel entwickelt hat.

Ich führe das zum Teil auf seine Lehrerin zurück. Ich schildere mal die Dinge, die mir aufgefallen sind:

- Hausaufgaben werden über mehrere Wochen nicht kontrolliert (die Lehrerin bat mich vor einiger Zeit von Kollegin zu Kollegin, ich möge doch den anderen Eltern mal vermitteln, dass es nicht möglich sei, die Arbeitsblätter von Schülern regelmäßig zu kontrollieren und / oder auf jedes Blatt ein Korrekturzeichen (im Sinne von "ich hab's gesehen, alles richtig oder hier oder da ist ein Fehler).

- Hausaufgaben stehen oft nicht an der Tafel und werden dann von den Eltern in nachmittäglichen Telefonketten rekonstruiert

- Materialien verschwinden (z.B. musste am Anfang der 1. Klasse ein Schreiblernheft angeschafft werden, da ist der ganze Klassensatz seit Oktober verschwunden)

- Arbeitsblätter werden teilweise fehlerhaft korrigiert, d.h. neulich kam mein Sohn mit einem Blatt nach Hause, wo er ein paar Sätze hatte abschreiben müssen. Die Lehrerin hatte in den zwei Sätzen insgesamt 5 Fehler nicht angestrichen, 3 Fehler waren angestrichen und hinter jedem Satz war ein "richtig"-Haken.

- Hausaufgaben sind sehr unterschiedlich: Montags sitzt er manchmal (wegen der Menge) bis zu eineinhalb Stunden dran, Freitags maximal 10 Minuten)

- Es gibt keine für mich erkennbare Motivation (als ich so alt war, gab es noch Sternchen und Fleißbildchen, das ist aber auch schon ewig her). Arbeitsblätter oder Aufgaben sind entweder richtig (lächelndes Gesicht) oder falsch (trauriges Gesicht). Sowas wie "fast alle Aufgaben sind gut gelungen, bei der Nummer 5 musst du noch etwas nachdenken" oder so ähnlich, habe ich noch nicht ein einziges Mal gesehen.

- Stundenplan gibt es keinen (an der Schule gibt es während der vier Grundschuljahre keinen Lehrerwechsel), das wird auch so bleiben. Auf Nachfrage erhielt ich die Auskunft, dass der Kollegin die Spontaneität wichtig sei und wenn es einen vorgegebenen Stundenplan gebe, sei das ja nicht möglich.

- Bei einem Kind wird eine schwerwiegende Krankheit vermutet, die Lehrerin wurde schriftlich informiert, da verschiedene Arzttermine notwendig waren, sie hat aber bislang noch nicht ein einziges Mal nach dem Verlauf der Untersuchungen oder dem Ergebnis nachgefragt.

Das sind so die wesentlichen Dinge, die mir einfallen.

Meine Frage ist nun: Läuft das halt so an Grundschulen? Ich weiß natürlich, dass ich meine eigenen Schulerfahrungen nicht zum Vergleich heranziehen darf, denn an unserer Schule wird von den Lehrern schon viel Präsenz und auch ziemlich intensive Elternarbeit gefordert. Ich will der Kollegin auch auf keinen Fall an den Karren fahren, schließlich weiß ich ja nicht, welche Belastungen sie privat vielleicht noch hat.

Ich möchte einfach eine möglichst glückliche Grundschulzeit für meinen Sohn und auch eine möglichst gute Ausbildung. Beides ist im Moment nicht so recht gewährleistet, das tut mir so leid für ihn.

Vielleicht sagt ihr mir jetzt, ich solle nicht so "erbsenzählerisch" sein, das frage ich mich ja selber oft.

Aber vielleicht habt ihr ja auch Tipps, wie damit umzugehen ist...

Vielen Dank auf jeden Fall für jeglichen Beitrag!


Steffi

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Beitrag von @ndrea » Sonntag 28. März 2010, 18:22

Also zu allererst ein Rat, denn du bitte nicht falsch verstehen solltest:
Du hast die Wahl! Wenn du wirklich kein Land siehst, dann wechsle die Schule!

Und nun zu deinen Fragen/Problemen:

In so einem Fall frage ich immer, ob die Lehrerin schon darauf angesprochen wurde. Möglicherweise würdest du dann Antworten bekommen, die dich überraschen und mit denen du etwas anfangen kannst.

Ein Stundenplan (-mit fixen Stunden für WE/BS/Religion) muss vorhanden sein. Und er muss dir auch bekannt gegeben werden, damit du dein Kind für ev. Turnbefreiungen rechtzeitig entschuldigen kannst. Alle anderen Gegenstände müssen proportional stattfinden (-siehe Stundentafel) müssen aber im Stundeplan nicht einzeln angeführt werden. Wir halten GU (Gesamtunterricht), in der GS I sowieso halbstündig.

Die Krankheit des Mitschülers ist so eine Sache. Genau genommen sollen wir Lehrer ja gar nicht informiert werden, auch für die Schulärztin gilt Schweigepflicht. Finde ich schlichtweg idiotisch, wo wir doch den halben tag für die Gesundheit des Kindes verantwortlich sind, ist aber gesetzlich so

Mit der Motivation ist es so eine Sache. Da ist jeder auf der Suche nach dem Stein der Weisen.

Das Korrigieren der Arbeiten muss, soweit ich weiß, nicht durchgehend erfolgen, ein "gesehen" ohne Korrektur ist fallweise auch erlaubt. Ein Häkchen neben einem falschen Satz tut mir allerdings weh. Dann lieber gar nix.

Die Hausaufgabenzeit sollte 50 min. keinesfalls überschreiten. Ist echt so viel zu tun, oder dauert es einfach?

Lehrerwechsel in der 4 VS ist eher ungewöhnlich, außer es tritt Krankheit, Schwangerschaft etc. ein.

Hast du schon mit anderen Eltern gesprochen? Auf alle Fälle sollte ein offenes Gespräch mit der Lehrerin dein nächstes Ziel sein.

Ich drücke dir die Daumen!
.
Zuletzt geändert von @ndrea am Sonntag 28. März 2010, 21:27, insgesamt 1-mal geändert.
LG :hello2: @ndrea

dogu
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Beitrag von dogu » Sonntag 28. März 2010, 18:38

Ich kann mich da im Grunde Andrea nur anschließen.

Stundenplan: bei uns ist auch nur WE, REL und BuS eingetragen...alles andere rennt unter Gesamtunterricht.
Liebe es auch spontan bzw flexibel sein zu können und auf die Kinder einzugehen. das würd ich mir auch nur sehr ungerne nehmen lassen.

Krankheit: Im Grunde dürfen wir nicht nachfragen. Wenn es was wissenswertes gibt, sind wir auf die Eltern angewiesen, die uns etwas berichten.

HÜ: Ich hab sie in der ersten Klasse auch nie an der Tafel stehen, wir markieren sie aber immer gemeinsam. Dass wochenlang nicht korrigiert werden, finde ich schlimm. In der ersten KLasse geht das ja schnell - was passiert dann in der Vierten???
Dass man fehlerhaft korrigiert passiert schon mal. Ich denke da an 27 Aufsätze, da übersieht man schon mal einen Fehler. In der ersten Klasse, wo die Sätze wie ich vermute nicht wirklich unendlich lange sind, sollte dies allerdings nicht passieren. Wie gesagt, auch wir haben manchmal schlechte Tage und schleppen und trotzdem in die Schule, aber wenn es häufiger passiert, ist das schon komisch.

Motivation: Wurde darüber schon mit der Lehrerin gesprochen?

Ich würd auf jeden Fall das Gespräch suchen...
halt dir die Daumen



Material: Wurde die Lehrerin schon angesprochen. Vielleicht ist sie dahinter gekommen, dass das keine gute Idee war und sie die Idee vielleicht in der zweiten Klasse fortsetzt.

Lilli
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Beitrag von Lilli » Sonntag 28. März 2010, 21:04

im grunde kann ich mich meinen vorrednerinnen nur anschließen.

ihr könnt das auf keinen fall noch 3 jahre mit ansehen, seien die vorwürfe nun gerechtfertigt oder schon etwas aufgebauscht.
besprecht im kreise der eltern genau, was euch stört und was ihr euch wünscht. dann sollte die klassenpflegschaft oder zwei eltern, die sachlich diskutieren können und mit der lehrerin "gut können" das gespräch mit ihr suchen.
ich denke auch, dass die lehrerin dann vielleicht sogar erleichtert ist und bereit, gemeinsam nach lösungen zu suchen.

wenn dann nichts passiert, solltet ihr die schulleitung bitten, die elternvertreter und die kollegin gemeinsam zu einem gespräch einzuladen. es ist ihre pflicht, sich um so etwas zu kümmern.

hausaufgaben - ja, sie gehen einem manchmal durch die lappen, manchmal kontrolliert man auch nur, ob sie gemacht wurden. aber letzteres sollte den eltern immer transparent sein (z.b. durch einen bestimmten stempel, der bedeutet: gesehen aber nicht genau kontrolliert). generell gilt aber schon, dass sie kontrolliert werden müssen - entweder durch die lehrerin oder gemeinsam mit den kindern, so lästig das manchmal auch ist.

zu dem kranken kind: vielleicht ist das thema der lehrerin auch unangenehm und sie hat angst vor ihrer eigenen sprachlosigkeit, wenn es wirklich eine schwere/lebensbedrohliche krankheit ist.

die motivation ist auch so eine sache - das ist ja eine extrem wichtige aufgabe in der grundschule: dieses ewig nötige üben abwechslungsreich zu gestalten. eine schwierige sache und vielleicht nicht immer in allen persönlichen lebenslagen so machbar, wie man sich das wünschen würde. aber auch darüber kann man reden.

ich wünsche dir auf jeden fall alles gute und "kopf hoch"!!!

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